2021 Von Tränenhaut und Menschenwürde | Kleine Zeitung

Karin Waldner-Petutschnig | Kleine Zeitung Kultur schreibt zur Ausstellung „Tränenhaut / Solznakoža“ in der Galerie im historischen Kraigher Haus 2021:

Karin Waldner-Petutschnig für die Kleine Zeitung zur Ausstellung von Barbara Ambrusch-RappKarin Waldner-Petutschnig für die Kleine Zeitung zur Ausstellung von Barbara Ambrusch-Rapp

Kleine Zeitung, Seite 60 | Kul­tur | Frei­tag 3. Sep­tem­ber 2021
AUS­STEL­LUNG KRAI­GHER­HAUS

Von Tränenhaut und Menschenwürde

Bar­ba­ra Am­brusch-Rapp mag es hap­tisch-sinn­lich (Foto: WALD­NER)

Bar­ba­ra Am­brusch-Rapp zeigt im Ro­sen­tal einen Quer­schnitt ihrer Ar­bei­ten.

Wie die Haut, die sich auf fri­scher, kuh­war­mer Milch bil­det, legt sich manch­mal eine Schicht aus Trä­nen über die Ver­gan­gen­heit. Die Mem­bran, ein Schutz zwi­schen innen und außen, ist dünn und bricht leicht auf: „Trä­nen­haut/Solz­na­koža“ nennt die Mul­ti-Me­dia-Künst­le­rin Bar­bara Am­brusch-Rapp ihre Aus­stel­lung im his­to­ri­schen Krai­gher-Haus in Feis­tritz im Ro­sen­tal, wo jeder Raum und jede Stein­stu­fe Ge­schich­te atmen. Der Kon­trast von den lie­be­voll er­hal­tenen Re­lik­ten einer ver­gan­ge­nen länd­li­chen Welt und den bild­ne­ri­schen und in­stal­la­ti­ven Arbei­ten der 49-jährigen Au­to­di­dak­tin er­gibt ein stim­mi­ges Span­nungs­feld, das zum Nach­denken an­regt. Die „Wun­den un­se­rer Ge­sell­schaft“ wie Dis­kri­mi­nie­rung, Trau­ma­ta, Geschlech­te­ri­den­ti­tät oder
Flücht­lings­fra­ge trans­for­miert sie in viel­sa­gen­de Misch­tech­ni­ken in den Far­ben Rot, Weiß und Schwarz – das ist mein Werk­zeug, mit dem sich alles aus­drü­cken lässt!“. Ihre Bil­der – über­mal­te und lackier­te Col­la­gen, die man gerne auch be­rüh­ren darf – zei­gen Witz und Sym­bo­lik. Immer wie­der kom­men Schu­he vor, Hände, das über­mal­te Foto der Künst­le­rin, eine Krone „als Sym­bol für die Menschen­wür­de“.

Oft geht sie in ihrer Ar­beit von der Spra­che aus: Hände, die sich aus einem Topf mit Milch hil­fe­su­chend her­aus stre­cken, dar­über ein Ruck­sack, aus dem Ba­by­bein­chen ragen (wa­schen der Hände in Un­schuld), ein ge­spreng­tes Hams­ter­rad, aus dem Sta­cheln aus­ge­fah­ren sind, um den ex­po­nier­ten In­sas­sen zu schüt­zen, die Vi­deo-Per­for­mance „Bal­kan­rou­te“, die schon bei Car­in­thi­JA 2020 ge­zeigt wurde – viel­fäl­tig, an­re­gend, poe­tisch sind die Ar­bei­ten, die noch am Wo­chen­en­de zu sehen sind. Mit einer „Über­ra­schungs­per­for­mance“ der Künst­le­rin am Sonntag.

Karin Wald­ner-Pe­tut­sch­nig

Trä­nen­haut/Solz­na­koža, Krai­gher­haus, Feis­tritz/Ro­sen­tal, 4. 9., 15–18 h, Fi­nis­sa­ge: 5. 9., 15–18 h, par­ti­zi­pa­ti­ve Über­ra­schungs­per­for­mance um 17 Uhr