2020 Kärntnerin des Tages | Kleine Zeitung

Kärntnerin des Tages | Quergeist am Grenzweg

Barbara Ambrusch-Rapp thematisiert in Ausstellung „Grenzdebil“ im Rosental das Destruktive von Trennlinien
(c) KLEINE ZEITUNG | Elke Fertschey | 19.05.2020 | www.kleinezeitung.at

Kärntnerin des Tages, Barbara Ambrusch-Rapp, Kleine Zeitung 19.05.2020

Kärntnerin des Tages | Quergeist am Grenzweg
Barbara Ambrusch-Rapp thematisiert in Ausstellung „Grenzdebil“ im Rosental das Destruktive von Trennlinien

(c) KLEINE ZEITUNG | Elke Fertschey | 19.05.2020

Schwarze Hände auf Drahtstäben ragen aus figurativen Gräbern und bilden den Waldgrab-Zaun, der an die Toten erinnern soll, die sich während der Nazi-Zeit im Wald versteckt hatten, die „Bunkerer“. Im Hintergrund hinterlässt ein lauter Streit in slowenisch- und deutschkärntner Sprachfärbung einen klirrenden Scherbenhaufen. Das habe sie in Erinnerung an ihre Kindheit aufgezeichnet, erklärt Künstlerin Barbara Ambrusch-Rapp (47), in Maria Elend als Kind eines Kärntner Slowenen und einer deutschsprachigen Mutter in einer traditionell-religiösen Bauernfamilie aufgewachsen, die die Sprachgrenze oft entzweit hatte.

„Grenzdebil“ ist der Titel ihrer Ausstellung in der Kirche St. Peter bei St. Jakob im Rosental, zu der sie vom Kulturverein Rož im Rahmen des CarinthiJa-Gedenkjahres eingeladen wurde. Betritt man die Kirche, spürt man umgeben von riesigen „organischen Wandstacheln“ körpernah die Schrecken des Stacheldraht-Grenzzaunes. Gemäß ihrer Vorliebe, das Absurde darzustellen, thematisiert die feministische Künstlerin, deren grundsätzliches Anliegen der „Fokus auf die Menschenwürde“ ist und die sich schwerpunktmäßig soziokulturell und politisch beeinflussten gesellschaftlichen Entwicklungen, Randgruppen und Geschlechterrollen widmet, in einer Performance die Schließung der Balkanroute.

Beruf: Multimediakünstlerin

Im Video wurde die gelernte Bürokauffrau und zweifache Mutter, die lange als „Spinnerin“ belächelt wurde, zur Schauspielerin. Erst ab 2003 konnte sie neben ihrem Brotberuf ihrer Berufung nachgehen und sich seit 2008 hauptberuflich als Multimediakünstlerin etablieren. In der jetzigen Krisensituation sei die Grenzdebatte noch aktueller, meint die mit dem Kaiserswerther Kunstpreis Düsseldorf, dem Kunstpreis der Evangelischen Johanniskirche Klagenfurt und dem ersten Platz der Zeitgenössischen Krippenbiennale Wolfsberg Ausgezeichnete, die sich als „Quergeist“ sieht. „Jetzt werden Flüchtlinge noch mehr weggesperrt“, sagt die Kulturarbeiterin aus Augsdorf. In einer begehbaren Audio-, Video- und Raumistallation thematisiert Barbara Ambrusch-Rapp bis 5. Juni bewusste und unbewusste Grenzziehungen und ihre menschenunwürdigen Ausformungen, getragen vom Bedürfnis, die Absurdität von Minderheiten- und Fremdenfeindlichkeit sowie Homophobie hör- und sichtbar zu machen. Im Sommer nimmt sie auch noch an zwei weiteren CarinthiJa-Projekten teil: Brücken bauen/Gradimo Mostove in Selkach und „Abwunderung“ im Rahmen von schau.Räume in Ferlach und Spittal.

Abbildungen:
Barbara Ambrusch-Rapp in der begehbaren Rauminstallation © Foto: Marcel Ambrusch
Dass der menschliche Spielball zwischen den Grenzen dem Coronavirus ähnelt, ist Zufall © Foto: Walter Polesnik