2020 Wie Stacheln im Unterbewusstsein | Krone Kultur

Kirche St. Peter im Rosental: Ambrusch-Rapp macht Grenzen sichtbar

Wie Stacheln im Unterbewussten
Weithin sichtbar ziert ein rotes Band den Turm der Filialkirche im zweisprachigen St. Peter bei St. Jakob im Rosental. Als erster Abschnitt einer nach und nach entstehenden Grenze markiert es für die multimediale Ausstellung „Grenzdebil“ von Barbara Ambrusch-Rapp den ersten Programmpunkt des Kulturvereins Rot im Rahmen von CARINTHIja 2020 — 100 Jahre Kärntner Volksabstimmung.
Vorbei an der Kirchentür wachsen schwarz behandschuhte Hände auf Spießen aus ihrem Waldgrab. Es sind die Hände jener Menschen, die sich aus Angst vor dem Krieg selbst im Wald verscharrt haben, von den Nazis dennoch als Partisanen angesehen und ermordet wurden. Der heftige Streit eines Ehepaares aus der Konserve begleitet den Eintritt in die Sakristei, wo Küchenutensilien und Kinderspielzeug mehr an häusliche Gewalt denn an Familienidyll erinnern.
Bevor man das kleine Kirchenschiff betritt, lassen Sätze aus einem Lautsprecher wie „Es wird nicht ohne hässliche Bilder gehen“, Beklemmung erahnen. Aus Erlebtem, das so oft totgeschwiegen wird und geprägt ist von Scham und Unterdrückung, bohren sich Stacheln aus den Kirchenmauern ins Unbewusste, wo Angst und Absurdität sitzen.
Ambrusch-Rapp lässt Autobiografisches ebenso sakral sichtbar und weihevoll spürbar werden wie gerne verdrängte Themen: Herkunft, Mehrsprachigkeit, Fremdenhass… Am Ende kann man sich, statt den Beichtstuhl aufzusuchen, vor einem „Vergebomat“ hinknien oder seine Hände im Weihwasserbecken mit Milch in Unschuld waschen, während daraus ertrinkende Flüchtlinge greifen. Täglich von 18 bis 20 Uhr. Führungen mit der Künstlerin zur Finissage am 5. Juni, 11 und 18 Uhr.

Fotos und Text: Tina Perisutti
© Kronen Zeitung Kärnten / Kultur am 30.05.2020