2016 Sieglind Demus | ich mach mir die welt…

Ich mach mir die Welt… Autorin Sieglind Demus spricht zur gleichnamigen Ausstellung von Barbara Ambrusch-Rapp

Barbara Ambrusch-Rapp, als Barbara Ottowitz 1972 hier geboren, in Maria Elend aufgewachsen – macht sich die Welt! Was so frech und provokant klingt, liegt einer durch und durch philosophischen Betrachtung zugrunde.

Mit dem Titel dieser Werkschau – ich mach mir die Welt – bringt die Künstlerin zum Ausdruck, dass unsere Welt keine zufällige ist, sondern, dass wir alle sie, durch unser Handeln, unser Wirken und unsere Entscheidungen – und seien sie auf dem ersten Blick auch noch so unbedeutend – mitgestalten. Barbara Ambrusch-Rapp ist sich dieser Verantwortung bewusst, weshalb ihre Kunst nicht dem Selbstzweck dient, sondern dem Inhalt. Bildaufbau, die klare Farb- und Formensprache, die Linienführung sind bei ihren Werken fundierte handwerkliche Mittel, um Themen überspitzt, satirisch, distanziert und doch hautnah umzusetzen und zu transportieren. Manchmal reicht der Kulturaktivistin Barbara Ambrusch-Rapp das Malen und Zeichnen als Mittel zum Zweck nicht aus, dann installiert sie, performt oder initiiert Kunstprojekte für und mit anderen Künstlerinnen und Künstlern.

Wer sich auf Barbara Ambrusch-Rapps Kunst einlässt, stößt auf eine Substanz, die sie durch Wendungen, Phantasie und nicht zuletzt durch Akribie und Fleiß der Realität abringt. Ihre Stärke war damals als Bauernmädchen und ist heute als etablierte Künstlerin, dass sie sich nicht unterordnete, sich nicht selbst aufgab und -gibt, sondern sich immer wieder neu positioniert.

Ihre Vielseitigkeit ist beeindruckend. Wir sehen hier auf Leinwand gemalte Acrylbilder ebenso wie Mischtechniken: Collagen und Zeichnungen. Dennoch ist die Handschrift, die sie für sich und ihre Themen entwickelt, bereits unvergleichbar. Ihr Stil zeichnet sich durch eine sichere Linienführung und Klarheit aus. Es gelingt ihr, Substanzielles zu ordnen und zu strukturieren. Bei all dem ist ihre Handschrift eine weibliche.

Oft erscheinen uns ihre Bilder als eine Reduzierung auf weibliche Körperteile – Brüste, Popos, Beine, Lippen. Dekorationen, wie die kleine Krone auf den üppigen Lippen oder High Heels sind als Metapher zu verstehen. Es erscheint uns normal, dass die Werbewelt Brüste funktionalisiert, den nackten Körper instrumentalisiert. Sich räkelnde, barbusige Mädchen, Animo für eine männliche Käuferschicht führt die Künstlerin durch eine skurrile Überzeichnung humorvoll ad absurdum.

Das gesellschaftliche System, in dem jeder von uns verankert ist, verdeutlicht sie durch den Strichcode auf ihren Zeichnungen. Oft sind diese Zeichnungen dann Ausgangsmaterial für eine aufwändigere Malerei oder eine Mischtechnik.

Mit dem Zeitpunkt der Selbstständigkeit beginnt für Barbara Ambrusch-Rapp im Nachhinein betrachtet erst die professionelle künstlerische Praxis. „Alles davor war Zusammentragen von Rüstzeug, mit dem ich nun endlich frei arbeiten kann.“ Bevor sich Barbara Ambrusch-Rapp in Abstimmung mit ihrer Familie 2008 dazu entschloss, den unbequemen Weg in die Selbstständigkeit einer Künstlerin zu wagen, hatte sie den Beruf der Buchhalterin erlernt und war Projektleiterin in einem international agierenden Unternehmen.

Natürlich geht dem, was Barbara Ambrusch-Rapp heute hier ausgereift präsentiert, eine Entwicklung, ein intensives Auseinandersetzen voran. Auseinandersetzungen freilich gab es in dem strengen, katholischen und damit gottesfürchtigen Umfeld genug. Mit sechs Geschwistern und dem Aufwachsen auf einem Nebenerwerbshof blieben auch Entbehrungen nicht aus.

Durch das Erkennen dieser konträren Realitäten baute sie eine eigene mystische Phantasiewelt auf. Sie erhoffte sich Antworten, so Barbara: „ …von den Wiesen, vom Blätterrauschen der Bäume und dem reißenden Fluss, vom Gewitterhimmel, der glühenden Sonne und dem, manchmal furchteinflößenden, Mond.“ Sie beseelte die Natur. Sie fürchtete, dass die stillen, dunkel gekleideten Gestalten in der regelmäßig aufzusuchenden Kirche sie beobachteten, auf sie herabschauten.

Mit dem diffusen Gefühl von einer unsäglichen Schuld auf den kleinen Schultern und den noch unausgeformten Sehnsüchten nach einem reichen, wertvollen Leben entwickelte sie in ihrer frühen Jugend einen starken Drang, auszubrechen. „Das Zeichnen und Malen dürften erste Schritte dazu gewesen sein, gewiss aber die gefundene Sprache für Unaussprechliches.“ Selten entsteht in und aus einer emotional und materiell gesättigten Umwelt anspruchsvolle Kunst.

„Blockiert hatte mich in der Anfangszeit meines Schaffensprozesses mein Bedacht darauf, ob ich wohl das richtige Papier und das richtige Farbprodukt verwendete, ob der Pinsel so oder so in der Hand zu liegen hat und welcher Rahmen das zukünftige Blatt an der Wand tragen wird – wohl auch als Folge des exzessiven Studiums von Fachliteratur und von den Gesprächen mit einem Kunstmaler.“ Was in New York zu sehen war, öffnete Barbara Ambrusch-Rapp die Augen und brachte die selbst gebauten Mauern zum Bröckeln, erweiterte den Geist – weg von der rein technischen zu einer künstlerischen Praxis. Zu Inhalt und Philosophie. Zu der Frage, was Kunst sein KANN und nicht, was Kunst sein DARF.

In ihrer Kunst paart Barbara Ambrusch-Rapp Mut mit sozialer Intelligenz. Sie setzt sich für die Gleichstellung ein, hinterfragt Traditionelles und entzieht Rollenbildern den Boden. Ihre Verletzungen während des Erwachsenwerdens fügt sie in das Mosaik der künstlerischen Auseinandersetzung ein. Kreative Prozesse kommen durch die Vertiefung in Themen in Gang. Mit Humor und Satire schafft sich die Künstlerin eine Distanz – wird zur Beobachterin. Durch Versöhnung schließlich verändert sich ihre Wahrnehmung. So schließt Barbara Ambrusch Rapp diese Prozesse ab. Alleine durch ihre Arbeiten und dem selbstbewussten Umgang mit dem Medium Kunst, bestärkten sie Künstler weltweit in ihrem Handeln.

Lehrer Klaus Hainschitz erkannte und förderte ihre besondere Begabung und ihr Talent früh und bis heute. In Marcel Ambrusch, nicht nur kunstsinnig, sondern auch selbst kreativ, hat sie einen verlässlichen Partner, der sie über ihre Rolle als Frau an seiner Seite hinaus, als kritische Beobachterin und Künstlerin wertschätzt.

Letztlich jedoch ist sie allein es, die sich das Leben, die Welt, fruchtbar macht für ihre Kunst. Eine Kunst, die die Mutter von zwei Kindern bereits weltweit – in den USA; in Asien und in Europa – präsentiert. Alle Ausstellungsorte aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, sind aber gerne den ausgelegten Listen zu entnehmen. Dennoch freut sie sich besonders, erstmals in ihrer Heimatgemeinde St. Jakob auszustellen.

Mit einem Selbstverständnis engagiert sie sich in ihrer Arbeit mit Kindern, mit Jugendlichen und mit Schutzsuchenden – all das ohne großen Aufhebens. Sie hat nicht nur Ideen, sie setzt diese auch mit Beharrlichkeit sehr erfolgreich um, nimmt diese Arbeit für sich selbst als Bereicherung wahr.

Barbara Ambrusch-Rapp inspiriert längst andere Künstler, wie Kommissar Hjuler, der nach ihren Vorlagen Puppen kreierte, oder Lado Jakša, der ihre Themen für uns heute musikalisch umsetzt.

Dem Leben und den Werken von Barbara Ambrusch-Rapp können ein paar Minuten subjektive Zusammenfassung nicht gerecht werden. Deshalb lade ich Sie herzlich ein, heute Abend die Chance zu ergreifen und mit der Künstlerin in Dialog zu treten.

Sieglind Demus, Autorin
Link zur Ausstellung Ich mach mir die Welt…