2018 Galerie Muh im ehemaligen Kuhstall

Die Kühe machten Platz für die Kunst

Hoch über dem Lavanttal hat Ferdinand Kreuzer ein Zentrum für internationale Kunst geschaffen.
Kleine Zeitung Kultur | Julia Braunecker | 17. August 2018

„Die originellste Galerie Europas“. So bezeichnete ein Gast die in 735 Meter Seehöhe gelegene „Galerie Muh“ von Ferdinand Kreuzer: Der original erhaltene Kuhstall inklusive Hochsilo am Aichberg, wird seit 2003 als Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst aus Kärnten und darüber hinaus genutzt. „Meine Landwirtschaft musste ich aus gesundheitlichen Gründen aufgeben“, erzählt der 61-jährige Galerist, der sich schon immer für Kunst interessiert und geschäftliche Termine in Klagenfurt stets mit einem Galeriebesuch verknüpft hat: „Also beschloss ich, meinen Stall umzuwidmen.“

Kunstwerke statt Kühe | Anstelle der Kühe stellte er Skulpturen in den 100 m² großen Raum und hängte Bilder an die Mauern, um den Stall weiterhin zu nutzen – das war die Geburtsstunde der „Galerie Muh“. „Man gönnt sich ja sonst nichts“, schmunzelt der Kunstliebhaber, der seiner kleinen, feinen Galerie täglich einen Besuch abstattet: „Ich muss ja nur wenige Schritte vom Haus hinübergehen“. Besucher führt er gerne fachkundig durch die Schau. Er leitet die Galerie von Anfang an als Ein-Mann-Betrieb, das Land Kärnten unterstützte den Umbau finanziell. „Mit der Zeit spielt sich das alles ein“, berichtet Kreuzer. „Mittlerweile bin ich in der Kunstszene gut vernetzt.“ In den 15 Jahren seit der Gründung haben sich bereits namhafte Künstler wie Walter Turrini, Rainer Wulz und sogar der Libanese Abdo Badwi in Einzelausstellungen oder Beteiligungen präsentiert.

Derzeit ist in den Stallungen die sozialkritische Ausstellung „Wunder Punkt – Lebensmittelverschwendung“ untergebracht. Sieben Kunstschaffende thematisieren in Installationen, Bildern und Fotos die Diskrepanz von Hunger in der Welt und dem Überfluss der Wegwerfgesellschaft. „Kindersklaven werden auf Kakaoplantagen wie Tiere gehalten, damit unsere Schokolade bittersüß auf der Zunge schmilzt. Afrikanische Landwirte können ihre Milch vor Ort nicht mehr verkaufen, weil subventioniertes Milchpulver aus Europa spottbillig auf den dortigen Markt geworfen wird“, so die Klagenfurter Künstlerin Barbara Ambrusch-Rapp. „Wo ist da unser Gefühl der Zusammengehörigkeit geblieben?“

Begegnungen ab 6. Oktober | Ab 6. Oktober weichen die aktuellen Kunstwerke der Ausstellung „Begegnungen“, die Vorweihnachtszeit gehört der in Fachkreisen hoch angesehenen „Krippen-Biennale“.

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