2015 KINDERheimatBOXen | Stadtgalerie Klagenfurt

einladungskarteKINDERheimatBOXen | Barbara Ambrusch-Rapp
Living Studio Extra im Architektur Haus Kärnten – Stadtgalerie Klagenfurt | September 2015

Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Living Studio Extra“ präsentiert die Stadtgalerie Klagenfurt jeweils in den Monaten Mai und September außerhalb ihrer eigenen Räume, im Architektur Haus Kärnten, außergewöhnliche Projekte:

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG: Dienstag, 1. September 2015, 19.00 Uhr
KINDER_heimat_BOXen | Barbara Ambrusch-Rapp

Living Studio Extra | Stadtgalerie Klagenfurt zu Gast im Architektur Haus Kärnten / Napoleonstadel
St. Veiter Ring 10, 9020 Klagenfurt am Wörthersee AT

Begrüßungsworte: Manuela Tertschnig, Leitung Abteilung Kultur
Zur Ausstellung: Beatrix Obernosterer, Leitung Stadtgalerie Klagenfurt
Eröffnungsworte: Maria-Luise Mathiaschitz
Bürgermeisterin und Kulturreferentin der Landeshauptstadt Klagenfurt aW
Die Künstlerin ist anwesend

AUSSTELLUNGSDAUER: 02. bis 25. September 2015
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 09:00 bis 19:00 Uhr
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

Papierarbeiten, Video und Installation von Barbara Ambrusch-Rapp + bisher eingetroffene „KinderHeimat“ Relikte u.a. von Anne, Kongo + Berni + Comfort, Ghana + Danja Kulterer, Völkermarkt AT + Doro + Furaha + Happy, Ghana + Henry, Nigeria + Jaja, Gambia + Karin Gilmore, Villach AT + Karin Seitz, Hüfingen DE + Maria Jarisch, Villach AT + Mirko + Omar, Afghanistan + Rhency, Nigeria + Ronny Goerner, Klagenfurt AT + Sabina, Deutschland + Sabine Küster, Berlin DE + Tanja Prušnik, Wien AT + Tatjana Gregoritsch, Schiefling AT + Toofan, Afghanistan + Uli + Lothar, Berlin DE + Walter Matyas, Wien AT + Wolfgang Abfalter, Markt Allhau AT

Ausgehend von individuellen Lebenshintergründen unterschiedlicher Menschen aus ihrem virtuellen und physischen Umfeld legt die Multi-Media-Künstlerin Barbara Ambrusch-Rapp, neben regionalen Bezügen zur Begrifflichkeit „Heimat“, den Fokus auf subjektive Definitionen. Wo Prägungen aus der Kindheit, ortsunabhängige Zustände oder geheime Sehnsüchte eine emotionale, kulturelle und soziale Dimension von „Heimat“ eröffnen, sind Interessierte auch zur Partizipation an diesem „work in progress“ eingeladen.

Seit Oktober 2012 sammelt Barbara Ambrusch-Rapp ihr anvertraute Gegenstände von Menschen, die über diese Relikte und eigens verfasste Briefe sehr persönliche Zugänge zu ihrem Heimatsbegriff offenlegen. Oft stehen Kindheitserlebnisse im Vordergrund, wenn es darum geht, eine Definition von Heimat für sich zu finden. Von weitervererbten Spielsachen, fleckiger Tischwäsche und alten Musikinstrumenten über Haarbüschel der Oma bis zum wiedergefundenen Brausepulver wurden der Künstlerin unterschiedliche Kleinode und Geschichten zugetragen.

Im Rahmen eines Grundbildungsworkshops der Kärntner Volkshochschulen hat Barbara Ambrusch-Rapp auch mit Menschen gearbeitet, die aus ihrer Heimat nach Europa geflüchtet sind. Gemeinsam mit den Trainerinnen haben sie sich gedanklich auf die Suche nach Orten, Zuständen oder Erlebnissen auf ihren oft dramatischen Lebenswegen begeben, die sie an ihr ganz persönliches Daheim erinnern. Da es unmöglich war, die entsprechenden Relikte im Original zu beschaffen, wurden sie gemeinsam mit der Künstlerin nachgebaut. So erzählen etwa ein Kürbissuppentopf der Großmutter im Kongo, die Trommel des schneidernden Bruders aus Ghana oder das blutverschmierte Messer aus dem tödlichen Kampf der Eltern in Gambia von schönen Geschichten und solchen, die auch anders in prägender Erinnerung bleiben. Eine Auswahl aus diesem Sammelsurium, luftdicht in Folie „konserviert“, macht Barbara Ambrusch-Rapp nun erstmals in einer eigenen Ausstellung öffentlich sichtbar.

Aufbauend auf diesen völlig unterschiedlichen Zugängen zur Begrifflichkeit Heimat zeigt sie außerdem ihre Papierarbeiten, die in Reaktion auf die geführten Gespräche und anvertrauten Gegenstände entstanden sind. Die Mutter mit der muslimischen Gebetskette, eine ganz und gar nicht feministische Raumschiff-Enterprise-Barbie oder die Tischsets von einem der wenigen Orte, an denen jemand nicht gedemütigt und geschlagen worden ist, erfahren hier eine subjektive Neuinterpretation.

Die Videoarbeit „Ameisenscheisse“ mit dreiteiliger Bilderserie thematisiert die immer noch gegenwärtige Gewalt an Kindern, vor allem auch innerhalb der Familien.

Ein persönlicher Zugang von Barbara Ambrusch-Rapp findet sich schlussendlich in einem fragmentarisch stilisierten Apfelkeller als Installation mitten im Raum. Wo damals neben dem Nahrungsmittellager für den Winter auch die vergrabenen Relikte des Sterbens ihren Platz fanden, ist eine höchst ambivalente Beziehung zur Heimat bis heute präsent.

KinderHeimatBox | Ein partizipatives Kunstprojekt von Barbara Ambrusch-Rapp
Link zur Projektseite KinderHeimatBox
Link zur Laudatio von Beatrix Obernosterer