2014 Autoren packen aus

schreibendeAutoren packen aus: Über 550 Tipps für die Schreiberei

Herausgeberin: Anita Arneitz | BoD – Books on Demand | 11.03.2014 | 164 Seiten | ISBN 3732255476, 9783732255474
55 Autoren aus verschiedensten Bereichen, angefangen bei Schreibfrischlingen über Wortwiedereinsteiger bis hin zu Profischreibern, geben mit ihren ganz unterschiedlich gestalteten Schreibtipps einen sehr persönlichen Einblick in das Entstehen von Texten und zeigen die Vielfalt der Schreibstrategien und -techniken auf. Gemeinsam arbeiteten sie ehrenamtlich an dem Charity-Buch.

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Textbeitrag von Barbara Rapp

So soll ich also hier darüber schreiben, was, pardon, wie wer am besten schreibt beim Schreiben und ich frage mich, was ich dazu schreibe, wenn ich bei meiner Schreibe einfach nur schreibe, gewissermaßen … doch will ich es gerne versuchen, zumindest anhand eines Beispiels:

Womit wir schon bei #1 wären, beim Versuch einer Annäherung, wenn ich mich etwa in Vorbereitung für den Katalogtext zur Kunst des Kollegen kurzerhand in seine Welt entführen lasse, in sein Atelier, in seine Gedanken, die er mir zwischen Bildern, Objekten und Utensilien wandelnd im Stakkato näherbringt und die mich gewaltig wirr machen im Kopf und neugierig auch und die mich vor die Herausforderung stellen, seine Intentionen und Prozesse zu verstehen und das, was ich dann möglicherweise verstanden habe, in ebenso verständliche Worte zu fassen.

Dazu brauche ich zuweilen #2, und fasse Mut. Nicht nur bekanntlich sondern auch erfahrungsgemäß wächst der Mensch an seinen Aufgaben, bei mir zumindest ist das der Fall, aber nicht, was mir zwar ebenso angenehm wäre, gen Himmel in meiner rein körperlichen Dimension, nein, viel eher wächst eine gewisse Unerschrockenheit in mir und die hege und pflege ich nach besten Möglichkeiten, um mich nicht abhalten zu lassen, vom Tun.

#3 wäre das mittlerweile und dennoch erst der Beginn, denn jetzt muss ich einfach tun, oder auch weniger einfach, aber eben tun. Die tausenden Buchstaben Notiz auf meinen nahezu genauso vielen Zetteln und die dadurch vervielfachten hunderttausenden Gedanken in meinen anzahlmäßig mir nicht bekannten Hirnwindungen wollen verschriftlicht werden und natürlich liegt es mir fern, ihnen diesen Wunsch abzuschlagen und so lasse ich alles heraus, aus den Fingern fließend, in die Tastatur klopfend ohne Pause im besten Falle und zwischendurch einen kräftigen Schuss Bauchgefühl in den Fluss, mehrmals, und kann oft nicht so recht glauben, was sich am Bildschirm vor meinen Augen produziert.

Weg von hier – #4. Das viele Geschriebene braucht eine Pause. Ich auch.

Ordnung ist so ein unbequemer Begriff, der mir bei den alltäglichen Verrichtungen eher Pflichtbewusstsein als Lust in Erinnerung ruft und doch bin ich, jedenfalls in dieser Sache, zwingend bei #5 angelangt. Die mehr oder weniger frisch von der Leber weg geschriebenen Ergüsse dürfen mit der sowohl ihnen als auch mir gegönnten Distanz auf meine wohlwollende Gnade hoffen, zumindest einige davon, und verbleiben, doch meist nicht an ursprünglicher Stelle und noch viel weniger in der cruden Form, sondern bedachtsam sortiert und strukturiert, vor dem Hintergrund des womöglich naiven Wunsches, auch für Nichtinvolvierte schlussendlich einen Sinn ergeben zu dürfen.

#5a: Kaffee, Wasser und anderes …

Schleifmittel Marke Eigenbau #6 darf jetzt ans Werk, und das nicht zu knapp, denn meinem chronischen Hang zur Ausschweifung und zum Wortungetüm ist Einhalt zu gebieten, wozu sich ein erträgliches Maß an Selbstkritik anbietet, welches mir fast durchwegs schmerzbefreit die Streichung und Straffung manch überflüssiger oder völlig überschnörkelter Passage erlaubt, auch wenn dieser Eindruck angesichts der hier befindlichen Abhandlung möglicherweise nicht erweckt wird, was ich nicht sonderlich bedauere, denn ein unverzichtbarer Teil an vermeintlich überflüssigen oder völlig überschnörkelten Passagen wird beherzt vor dem Schliff gerettet und bleibt als Zeugnis meiner selbst, die ich ja immerhin die Verfasserin des Textes bin.

#7 Faktencheck: Jahreszahlen, Zitate, Verweise, Namen und Schall und Rauch, pardon, letzere beiden nicht, bedürfen eingehender Überprüfung, will ich einer gewissen Glaubwürdigkeit nicht gegensteuern und auch die Gegenüberstellung mit den noch nicht entsorgten zahllosen Notizen steht auf der Agenda, dazu die nervöse Frage im Raum, ob ich Wichtiges vergessen oder überlesen habe oder gar nicht mehr lesen konnte.

Irgendwann muss es sein: #8 – die Feuerprobe! Bevor ich die Menschen außerhalb meines Mikrokosmos‘ zwangsbeglücke, darf sich eine wichtige Person innerhalb desselben über meinen Text hermachen, wobei die Sache mit dem Dürfen fraglich ist, da sie viel eher als Müssen bezeichnet werden kann, was der Kritikfähigkeit dieser Person zum Glück keinen Abbruch tut und ich dieses Glück sehr hoch zu schätzen weiß, auch wenn es mich immer wieder in das – diesbezüglich meist schwarze – Loch der Erkenntnis wirft und meine Uhr zurückdreht auf #5, im Besonderen auf #5a „und anderes“.

Das Lektorat steht parat, denn #9 will ich nicht scheu’n. Unvermutet, doch zunehmend vermutet, auch wenn zuweilen meine Kollegenschaft vehement davor warnt, sich übermäßig einlullen zu lassen, stelle ich erfreut fest, dass diese fachkompetente Person es tatsächlich zuwege bringt, noch die allerletzten Stolpersteine auf meinem frisch asphaltierten Buchstabenhighway auszugraben und unvorstellbar groß ist meine Erleichterung über das zweckdienliche Mitbringsel derselben: Reparaturasphalt.

Das, nun zu #10, manifestiert das Problem, denn nicht nur im Prinzip bin ich eine Gegnerin von Asphaltwüsten, was natürlich die Frage aufwirft, wie es dazu kommen konnte, mich zum Asphaltieren hinreißen zu lassen, worauf mir partout keine sinnvolle Antwort einfallen mag, die genauso gut als Ausrede durchfiele, doch zur Rettung irgendeiner Ehre wage ich die Fahne der unter #6 erwähnten Verweigerung der Totalschleifung hochzuhalten und schließlich den meinerseits einzig in diesem Falle existenzberechtigten Tipp: Schreibt!