2009 Die Kärntnerin | Report | Helga Steiner

Radikal, aufmüpfig und tief weiblich | Ein Lokalaugenschein der KÄRNTNERiN
Barbara Rapp zeigt ihre Arbeiten zum Thema „Frau“ in der Galerie Rimmer in Velden

Brüste mit tief roten, spitzen Brustwarzen, ein Frauenkopf auf einem Schachbrett, ein Mann mit Krone, der sich am Schachbrett festhält, die Frau, die selbstbewusst mit ihrem Stiefel den König beiseite schiebt und ihre weiblichen Reize preisgibt… – „Heute ist die Krone fällig“ nennt Barbara Rapp ihre Ausstellung, die noch bis 15. Jänner 2010 in der Galerie Rimmer am Gemonaplatz in Velden zu sehen ist und auf subtile Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau Bezug nimmt.

Weibliche Themen
Die Malerin nimmt in ihren Collagen, Mischtechniken und Grafiken, die vorwiegend in Rot-Schwarz gehalten sind, weibliche Themen teils schockierend, teils humorvoll unter die Lupe. „Ich möchte bewusst weg von der weiblichen Opferrolle und zeige Frauen selbstverantwortlich, aktiv, erotisch und stark.“ Das liebliche Frauenbild ist laut Rapp lange passé, auch mit der Frau, die Opfer von gesellschaftlichen Strukturen wird, kann sich Rapp nicht identifizieren. Sie zeigt Frauen mit langgezogenen Wimpern und frivol geöffnetem Mund, manche lachen, sind verzückt, andere haben einen nachdenklichen, entrückten, manchmal auch traurigen Ausdruck. Rapp liebt es, ihre Frauen radikal zu überzeichnen, sie mit überdimensionalen breiten, roten Lippen auszustatten und reduziert sie auf exzessive Körper mit bombastischen Brüsten. So gelingt es ihr, den Betrachter in einer hemmungslosen Bildsprache anzusprechen und das Zusammenleben von Mann und Frau zu thematisieren.

Vortasten bis ans Äußerste
Rapp, die in Velden lebt und arbeitet, wuchs als Älteste von fünf Kindern auf einem Bauernhof auf, lernte früh selbständig zu sein, setzte sich Ziele und verwirklichte diese. Nach einer schweren Erkrankung, die sie gut meisterte, lernte die Mutter von Manuel (17) und Lea-Céline (1 ½) ihre eigenen Werte zu schätzen und setzte sich noch intensiver mit ihrer Kunst auseinander. Mit ihren Collagen und grafischen Arbeiten tastet sie sich schrittweise bis ans Äußerste vor. Sie skizziert mit wenigen Strichen mutig, selbstbewusst, oft auch kritisch, Szenen aus dem Frauenalltag, scheut sich nicht, politische Themen mit einer Portion Ironie aufzugreifen und lässt tief weibliche Akzente spielen. Rapp ist eine aufmüpfige Powerfrau, die Männern ihre Krone abnimmt, um sie sich lächelnd selbst aufzusetzen und sie hernach in der Garderobe abzulegen. Männern wie auch unserem Zeitgeist begegnet sie aufmüpfig, provokant, manchmal auch nachdenklich; dann schimmert unter den frechen, expressiven Bildern auch ein wenig Verletzlichkeit durch.

Dezember 2009 | Quelle: Helga Steiner für das Magazin KÄRNTNERiN