2020 HeimatMuseum | Krippe | Daphne M. Gerzabek

Mit Samstag, 31. Oktober 2020 wurde im Rahmen der Sonderausstellung „en miniature“ des kürzlich eröffneten „HeimatMuseum DeutschGriffen“ zum Thema des Weihnachts-Krippenbaus eine Arbeit der Veldener Künstlerin Barbara Ambrusch-Rapp aufgebaut. Sie ist seit Jahren Teilnehmerin der Krippen-Biennale der Galerie Muh am Aichberg im Lavanttal, wo der weihnachtliche Brauch von zeitgenössischen Künstler_innen kritisch und neu interpretiert wird.

„Aufgegangen“ – bestehend aus einer Holzschatulle, PU-Schaum, Acrylfarbe und Papier mit Schriftzug „Dogma“ – heißt ihr Beitrag zum alljährlichen Aufstellen der Geburtsstätte des Messias in Bethlehem, den Weihnachtskrippen. Ambrusch-Rapp geht es um eine Erweiterung des Themenkreises, konkret um die Dogmen der Kirche, wie hier in diesem Fall um die Menschwerdung Gottes durch die Jungfrau Maria. Die unumstößlichen Glaubensgrundsätze der römisch-katholischen Kirche sieht die Künstlerin in einer Schatulle verschlossen, die jedoch aufgebrochen, aufgegangen ist. Das Innere, einem gärenden fleischfarbenen Brotteig vergleichbar, quillt aufgrund der langen Stehzeit, gleichsam als biologische Reaktion, aus dieser Schatulle. Dieses Brot bzw. der Leib Christi als Manifestation der mystischen Geschehnisse – von Empfängnis bis Auferstehung – und zugleich Angelpunkt der christlichen Glaubenslehre und Glaubenspraxis, sind nicht auf die Beschränkungen der ausgehandelten Dogmen reduzierbar.

Die Idealvorstellung einer besseren Welt, die einem ewigen menschlichen Sehnen entspricht, in der allgemeingültige Regeln des Zusammenlebens akzeptiert sind, jeder einzelne geliebt wird und von seiner Erblast befreit ist, liefert Trost, Sicherheit und Orientierung.

Kritisch betrachtet, wirkten die dogmatischen Grundsätze über Jahrhunderte wie moralische Keulen, mittels der das Volk, gläubig oder nicht, gezwungen wurde, im Schatten einer allmächtigen Autorität, exekutiert durch Vertreter der Amtskirche, sein Leben auf Erden abzubüßen.

Die Reflexion und Revision des eigenen Reglements hat die Kirche immer wieder stark erschüttert. Die Rettung für sie kommt, so Ambrusch-Rapp, von einzelnen, (historischen,) herausragenden Persönlichkeiten sowie aus dem Volk, von den Menschen, die glauben – und zwar an das Gute, die Entlastung der Seele und an das ewige Leben, wenn auch in einer elementarischen kosmischen Dimension.

Daphne M. Gerzabek, 1.11.2020

HeimatMuseum DeutschGriffen
Daphne M. Gerzabek | Kunsthistorikerin
Museumsleiterin | Obfrau Museumsverein Deutsch-Griffen
9572 Deutsch-Griffen 23

Barbara Ambrusch-Rapp und Daphne M. Gerzabek vor der aufgebauten Krippe „Aufgegangen“ im HeimatMuseum DeutschGriffen

Werkabbildung/Fotos: Marcel Ambrusch

Info-Beiträge zum Heimatmuseum in Deutsch-Griffen:
Februar 2020 www.kleinezeitung.at/kaernten/feldkirchen/aktuelles_feldkirchen/5768292/DeutschGriffen_Denkmalgeschuetzter-Pfarrstadl
September 2020 www.kleinezeitung.at/kaernten/feldkirchen/5874500/Mit-Holzrechen-und-Butterstampfer
www.meinbezirk.at/st-veit/c-lokales/modernes-heimatmuseum-im-renovierten-pfarrstadel

Gemeinde Deutsch-Griffen