2011 Ali G’s Nightmare | Porträt

08/16 Zeit für Kunst und Kultur | Malerei | Barbara Rapp im Portrait | Ausgabe 04 2011

Die Künstlerin zeigt dem Betrachter ein atmosphärisch wie bildlich verzerrtes Bild von Frauen.

Sex sells – perfekte Brüste verkaufen Bier, symmetrische, strahlendweiße Zähne suggerieren ungekannte Geschmackswelten, die die Sinne erweitern, sinnliche rote Lippen erzählen uns von der Erotik eines in Schokolade getauchten Vanilleeises am Stiel. Erotische weibliche Partien, manche meinen von Gott geschaffen, Insider wissen von Photoshop formvollendet, prasseln auf den (meist nicht ganz so sinnlichen) Konsumenten ein und offerieren einen Moment der Partizipation an dieser Welt aus Hochglanzmagazinen und Hollywoodglitter. Speziell junge Frauen stecken enorm viel Energie, Entbehrungen und Schmerz in die Jagd nach diesem männlich diktierten Schönheitsideal. Sie hungern, lassen plastische Veränderungen an sich vornehmen und leiden sich einem künstlichen, künstlich verzerrten Frauenbild entgegen, dessen Selbstzweck wiederum im Marketing von Konsumprodukten liegt.

frau mentor und der weg ins glück

frau mentor und der weg ins glück

Die Werke der in Kärnten lebenden und arbeitenden Künstlerin Barbara Rapp zeigen dem Betrachter ein atmosphärisch wie bildlich verzerrtes Bild von Frauen – Körpern – Partien und spiegeln, so möchte man meinen, das Resultat jener oben erwähnten Jagd nach dem Schönheitsideal der Werbewelt auf einer seelischen Ebene wider. Plakativ, radikal und »mit dem Vorschlaghammer« tritt Barbara in ihren Werken an, ein und auf um aufzuwecken und diesem Trend durch Anregung zur Diskussion entgegen zu wirken. Barbaras –gemalte- Titten sind hässlich. Die verzerrten Darstellungen von Körpern stellen auf den Punkt gebracht eine Gegenposition zum gängigen medialen Frauenbild dar. Ihre Bilder reflektieren jene Gewalt, die die Künstlerin in ihrem Umfeld und durch die Medien mitbekommt. Man findet in ihren Werken die Manifestation und Sublimierung jener Tränen, die im Zuge des Reifungsprozesses vom jungen, idealistischen und ambitionierten Mädchen zur erwachsenen Frau, die mit den Gegebenheiten einer maskulin geprägten Welt zu Recht kommen muss, fließen. Kompromisse, Rückschläge und das Begreifen und Akzeptieren von gesellschaftlich aufoktroyierten Grenzen prägten Barbara. Sie erzählt uns von einem langen Weg bis sie schließlich Kunst so leben konnte. Seit 3 Jahren kann sie sich in ihrem Schaffen ausschließlich der Kunst widmen.

Wenn die Künstlerin über den Schaffensprozess ihrer Arbeiten spricht, erzählt sie uns davon, dass die Bilder bereits lange Zeit bevor sie für Außenstehende sichtbar werden in ihr reifen. Sie müsse dann nicht mehr viel tun… nur mehr diese auf Leinwand, Papier oder ein anderes Medium bringen. Sie spricht von Kanalisierung und davon, dass es ihr wichtig sei, dass der Betrachter versteht, was sie mit dem jeweiligen Werk sagen will.

Neben Arbeiten, die sie im Alleingang schafft, kann man im Gesamtwerk der Künstlerin auch solche finden, die in Kollaboration mit anderen bildnerisch Schaffenden entstanden sind. Als Herausforderungen bezeichnet sie eben jene Arbeiten und als Möglichkeit und Anreiz, ihre eigene Welt zu verlassen um danach wieder in sie mit einem Stück mehr an Erfahrung zurückzukehren und auf diesem Weg auch der Betriebsblindheit ein Stück entgegen zu wirken.

In den letzten 3 Jahren entwickelte sich Barbara, geprägt von Eindrücken, die sie auf Reisen gesammelt hat, weg von der reinen graphisch tätigen Künstlerin mit den Medien Leinwand und Papier hin zum Gestalten von dreidimensionalen Werken. Seit dieser Zeit findet man in ihrem Repertoire zunehmend Objekte und Installationen. Darauf angesprochen erzählt sie uns, dass es ihr bei diesen Werken um Inhalte geht, die rein zweidimensional nicht zu transportieren wären. Dadurch, dass sie Autodidakt ist, unterwarf sie sich anfangs selbst auferlegten Zwängen bis ihr auf einer Reise in den New Yorker Stadtteil Chelsea eines Tages, wie sie selbst meint »der Knopf aufgegangen« sei. Installationen, Objekte und Video bereichern seitdem ihr Portfolio. Der Inhalt bestimmt das Medium.

Seit ihrer ersten Ausstellung 1994 ist viel Wasser die Donau runter geflossen. Sie erzählt uns von der Nervosität damals und was wohl gewesen wäre wenn jemand ihre Bilder kritisiert hätte. Heute sieht sie das gelassener. »Man kann nicht Everbody’s Darling sein«. Kürzlich hat sie sich daher über ein Feedback einer Galeristin gefreut, die ihr erzählte, dass ein Kunde sich fürchterlich darüber aufgeregt hätte, wie denn eine Frau derart hässliche Bilder von Frauen malen könnte. Entartete Kunst? Womöglich, aber vielleicht ist es das, was unserer von perfekten Hinterteilen und Brüsten überladenen Gesellschaft fehlt.

Text: Pio für das Magazin „08/16 Zeit für Kunst und Kultur“
Ausgabe 04 2011