2020 Krippenbiennale Galerie Muh

VIII. Krippenbiennale 20

Alle zwei Jahre lädt Ferdinand Kreuzer bzw. die Galerie Muh am Aichberg zur Krippenbiennale mit künstlersichen Krippen-Interpretationen. Auch heuer sind ebendort Arbeiten zur ausdrücklich erwünschten zeitkritischen Visualisierung des Weihnachtsgeschehen zu besichtigen:

VIII. Krippenbiennale
Galerie Muh am Aichberg 39
9431 Wolfsberg
www.galerie-muh.info
7. Dezember 2020 bis 10. Jänner 2021 (verlängert bis 14. Februar 2021)
Samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung:
Ferdinand Kreuzer | Tel +43 (0)4352/81343 oder fk.galerie-muh(at)aon.at

Barbara Ambrusch-Rapp | 2 Krippen:

FilterBlase AbendlandMond Krippe Ambrusch-Rapp FilterBlase AbendlandMond Krippe Ambrusch-Rapp
FilterBlase AbendlandMond

Wer sich ausschließlich innerhalb seiner Filterblase bewegt, läuft heute mehr denn je Gefahr, eine Rundumsicht auf gesellschaftliche Entwicklungen zu verlieren. Vorstellungen von und Erwartungen an Weihnachten im so genannten christlichen Abendland haben sich stark gewandelt. Vor diesem Hintergrund hält die vermeintlich schützende Filterblase dem Druck der Veränderung nicht dauerhaft stand, sie platzt auf.
Der Mond ist ein wichtiges Sinnbild in verschiedenen religiösen Lehren mit völlig unterschiedlichen Zuschreibungen. In meiner Krippeninterpretation stellt die aufplatzende Filterblase zugleich auch den Mond dar bzw. die dogmatische Deutung eines Abendlandmondes, deren Hoheit sich zunehmend auflöst.
Inmitten dieser Dynamik pendelt das Christuskind, stellvertretend für die Hoffnung auf Erlösung, im turbulenten Strudel der Neuinterpretation auf den Kopf gestellt und lädiert… einer lebbaren Orientierung harrend.

Barbara Ambrusch-Rapp 2020
Material: Draht, Papier, Puppenkopf, Lack
Größe (LxBxH): Durchmesser 45 cm

Gebranntes Kind | Krippeninterpretation Barbara Ambrusch-Rapp Gebranntes Kind | Krippeninterpretation Detail | Barbara Ambrusch-Rapp
Gebranntes Kind

Diese Krippeninterpretation präsentiert sich einerseits als Etagere/Metapher für die in der christlichen Theologie manifestierte Dreifaltigkeit in der Wesenseinheit Gottes. In meiner Darstellung sind die drei Ebenen aufnahmeunfähig. Herangebrachtes findet keinen Halt und rutscht ab. Rutscht ab an der nach oben gewölbten Form der Ebenen und auch an der viel zu glatten Hülle, die das Bestehende konservieren und vor dem Verfall schützen soll.
Doch die Oberfläche der steifen Schutzhüllen wird porös, nicht nur durch äußere Einflüsse, nein, auch aus dem Inneren heraus. Brandblasen und Wunden breiten sich aus, als Zeugnisse vergangener und gegenwärtiger Verbrechen im Namen Gottes: Hexenverbrennungen, Folter im Rahmen der Inquisition, sexueller Missbrauch und vieles mehr.
Ganz oben eine kleine Kugel, das gebrannte Kind, noch rot und damit blutvoll, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Barbara Ambrusch-Rapp 2020
Material: Metall, PU-Schaum, Folie, Holzkugel, Lack
Größe (LxBxH): ca. 13 x 13 x 22 cm